150 Jahre Deutsche Holsteinzucht
Die Deutsche Holsteinzucht feiert 2026 ihr 150-jähriges Bestehen. Seit eineinhalb Jahrhunderten steht sie für Kontinuität, Engagement und die Weiterentwicklung der Milchrinderhaltung. Aus Anlass des Jubiläums blickt der BRS gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen auf die Geschichte und Bedeutung einer der wichtigsten Rinderrassen Deutschlands zurück.
Der diesjährige Weltmilchtag am 1. Juni 2026 fiel mit einem besonderen Jubiläum zusammen: dem 150-jährigen Bestehen der Deutschen Holsteinzucht. Seit eineinhalb Jahrhunderten steht die Holsteinzucht in Deutschland für Kontinuität, Engagement und die konsequente Weiterentwicklung der Milchrinderhaltung. Aus Anlass dieses Jubiläums blickt der BRS gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen auf die Geschichte und Bedeutung einer der wichtigsten Rinderrassen Deutschlands zurück - von den Anfängen der organisierten Holsteinzucht über prägende Meilensteine bis hin zu den Herausforderungen und Erfolgen der Gegenwart.
Meilenstein 1 – Stammzuchtgenossenschaft
Im Jahr 1876 wurde in Fischbeck die erste Stammzuchtgenossenschaft für das schwarzbunte Niederungsvieh gegründet – ein wichtiger Grundstein für 150 Jahre organisierte Rinderzucht. Heute gilt das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind (DSN) als bedrohte Nutztierrasse und wird als wertvolle genetische Reserve erhalten.
Meilenstein 2 – Milchleistungsprüfung
1884 wurde die Milchleistungsprüfung in Deutschland eingeführt und legte den Grundstein für eine objektive Leistungsbewertung von Milchkühen. Zum ersten Mal konnten Milchmengen systematisch erfasst und verglichen werden. 1935 wurde die Pflichtmilchkontrolle eingeführt und die Leistungsprüfung weiter vereinheitlicht.
Meilenstein 3 – Künstliche Besamung
Bis in die 1950er-Jahre prägte der sogenannte Gemeindebulle das Bild der Rinderzucht. Mit der Möglichkeit, Sperma tiefzufrieren, setzte sich die künstliche Besamung zunehmend durch und ermöglichte es, genetisch wertvolle Bullen unabhängig von ihrem Standort einzusetzen. Die künstliche Besamung ermöglichte dadurch nicht nur einen schnelleren und gezielteren züchterischen Fortschritt, sondern sorgte auch für eine größere genetische Vielfalt, verringerte das Risiko von Inzucht und Krankheiten und erhöhte die Sicherheit für Mensch und Tier.
Meilenstein 4 – Zuchttiere aus Amerika und Kanada
Trotz erheblicher Widerstände von Zuchtverbänden erkannten einige visionäre Rinderzüchter früh das Potenzial der nordamerikanischen Holstein-Friesian-Rinder (HF) und importierten vor rund 60 Jahren erstmals Tiere und Sperma nach Deutschland. Eine Schlüsselrolle spielte der 1964 aus den USA eingeführte Bulle Pabst Ideal, deren Genetik eine deutliche Leistungssteigerung und höhere Erlöse für Züchter versprach.
Meilenstein 5 – Umzüchtung zur Deutschen Holstein
Für den Import von Holstein-Friesian-Tieren aus Nordamerika waren unter anderem Dr. Gustav Wilke, Dr. Gunther Rath, Joachim Klindworth, Dr. Henri Martin und H. Wilhelm Schaumann verantwortlich. Mit großem persönlichem Einsatz organisierten sie Importreisen, kauften Tiere und Sperma in den USA und Kanada und setzten die neue Genetik zunächst im Rahmen von Versuchen ein. Aus dem zunächst umstrittenen Experiment entwickelte sich die erfolgreiche Umzüchtung der deutschen Schwarzbuntpopulation zur heutigen Deutschen Holstein.
Meilenstein 6 – EDV gestützte Zuchtprogramme
Anfang der 1970er Jahren folgte die Einführung EDV-gestützter Zuchtprogramme. Im Jahr 1970 schlossen sich die ersten Zucht- und Besamungsorganisationen zusammen und gründeten das Rechenzentrum der Tierzucht in Verden. Durch die zentrale elektronische Verarbeitung konnten erstmals große Datenmengen systematisch erfasst und analysiert werden. Das ermöglichte eine präzisere Zuchtwertschätzung von Besamungsbullen anhand der Leistungen ihrer Töchter ermöglichte und machte die Nachkommenprüfung zu einem bedeutenden Instrument der Rinderzucht.
Meilenstein 7 – BLUP & Testtagsmodell
Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre setzte sich das sogenannte BLUP-Verfahren in der Zuchtwertschätzung durch. Das Tiermodell berücksichtigt sämtliche verfügbaren Leistungsdaten und Verwandtschaftsbeziehungen gleichzeitig und bereinigt die Ergebnisse um systematische Umwelteinflüsse, was die Genauigkeit der Zuchtwertschätzung deutlich erhöhte. 1996 führte Deutschland als eines der ersten bedeutenden Holstein-Zuchtländer ein Testtagsmodell für die Milchleistungsmerkmale ein. Gleichzeitig wurde der Gesamtzuchtwert neben der Leistung um die Merkmale Exterieur, Zellzahl, Nutzungsdauer, Fruchtbarkeit und Kalbeverlauf erweitert.
Meilenstein 8 – Genomische Zuchtwertschätzung
Die Entschlüsselung des Rindergenoms im Jahre 2004 legte den Grundstein für die Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung für Deutsche Holsteins im Jahr 2010. Die Genomische Zuchtwertschätzung bildet bis heute den entscheidenden Motor des Zuchtfortschritts. Die internationale Zusammenarbeit im Rahmen von EuroGenomics sowie die Weiterentwicklung der Lernstichproben verbesserten die Schätzgenauigkeit kontinuierlich. Im Jahr 2025 folgte die Einführung des Single-Step-Verfahrens – die weltweit moderneste Rechenmethode in der Zuchtwertschätzung.
Meilenstein 9 – Projekt KuhVision
Seit dem Jahr 2016 werden im Rahmen des Projektes KuhVision weibliche Tiere genomisch untersucht, linear bewertet sowie Gesundheits- und Klauendaten erfasst. Diese Kombination stärkt die Datengrundlage der Zuchtwertschätzung, hat eine deutschlandweite Kuh-Lernstichprobe geschaffen und die Etablierung direkter Gesundheitszuchtwerte ermöglicht. Ebenso dienen die Daten der Etablierung zukünftiger Zuchtmerkmale wie etwa des Methanausstoßes.
Meilenstein 10 – Herdentypisierung
Auf Basis von KuhVision hat sich die genomische Typisierung der weiblichen Tiere für viele Betriebe zu einem wichtigen Managementtool entwickelt, um objektive und sichere Entscheidungen in der Selektion und Anpaarung zu treffen. Die Typisierung der eigenen Herde ist für jeden Betrieb – national sowie international – möglich und erweitert die Datengrundlage in der Zuchtwertschätzung kontinuierlich.
Seit 2019 - Fokus auf Tierwohl und Wirtschaftlichkeit
Die Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung: Immer mehr funktionale Merkmale wie Gesundheit, Persistenz und Futtereffizienz werden eingeführt und teilweise auch in den Gesamtzuchtwerten integriert. Neben dem RZG gibt es mit dem RZ€ und dem RZÖko zwei weitere Gesamtzuchtwerte.
Bildergalerie
Fotoquellen: BRS; RBB; RUW; Buch Deutsche Holsteins, Die Geschichte einer Zucht; 1999, Ulmer Verlag; Dorothee Warder
Auf dem Instagram- und Facebook-Kanal des BRS finden Sie weitere Bilder, Videos und Statements zum 150-jährigen Jubiläum der Deutschen Holsteinzucht: BRS Instagram













Bundesverband Rind und Schwein e.V.
Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V.