Herdentypisierung - Das Werkzeug für das genomische Herdenmanagement

 


Die Herdentypisierungsprogramme der BRS-Zuchtorganisationen bieten Teilnehmern große Vorteile in der Gestaltung ihres Herdenmanagementes. In Zeiten von knapper Arbeitszeit und schärfer werdenden Düngeregelungen ist auch in der Rinderhaltung ein auf Effizienz ausgerichtetes Management ein wichtiger Erfolgsfaktor. Durch die Herdentypisierung können betriebliche Entscheidungen früher (im Leben des Tieres) getroffen werden und das anhand von genomischen Zuchtwerten mit exzellenter Sicherheit. Die Liste der Vorteile von Herdentypisierungsprogrammen ist lang, kann aber auf zwei wichtige Punkte zusammengefasst werden: Erhöhung des betrieblichen Zuchtfortschritts und eine Verringerung der für die Remontierung aufgezogenen Tiere.

 



Die Vorteile im Überblick

 


Die Teilnahme an Herdentypisierung ermöglicht es, schon beim Kalb fundierte Selektionsenscheidungen zu treffen.

Die Teilnahme an Herdentypisierung ermöglicht es, schon beim Kalb fundierte Selektionsenscheidungen zu treffen.

  • Genauer Überblick über den genetischen Status der Herde durch die Rücklieferung von genomischen Zuchtwerten mit einer hohen Sicherheit.
  • Zuchtwerte für direkte Gesundheitsmerkmale als Hinweis auf die genetische Anfälligkeit von wirtschaftlich bedeutenden Krankheitskomplexen.
  • Verringerung der für die Remontierung der Herde benötigten Besamungen durch Auswahl der genetischen Spitze der Herde (eigene Schwerpunkte) für die Remonte. Dadurch wird ein sehr gezielter Einsatz von gesextem Sperma möglich und der betriebliche Zuchtfortschritt erhöht sich.
  • Für die eigene Remontierung nicht benötigte Nachzucht kann verkauft und Kühe, welche für die Remontierung nicht benötig werden, können mit Fleischrassen belegt werden.
  • Insgesamt müssen (wenn die betriebliche Remontierungsrate dies erlaubt) weniger Tiere aufgezogen werden. So kann der Betrieb seine Ressourcen gezielt einsetzen.
  • Genetische Schwächen z.B. in der Tiergesundheit können gezielt ausgeglichen werden. Züchterisch kann beispielsweise die Mortellaro-Sanierung durch den Einsatz von positiv vererbenden Bullen unterstützt werden.
  • Durch Nutzung des BullenAnpaarungsProgramms (BAP) lassen sich betriebsindividuelle Zuchtziele setzen und verfolgen.
  • Der Überblick über den Hornstatus ermöglicht eine zielgerichtete Zucht auf genetisch hornlose Tiere.
  • Automatisierte Abstammungskontrolle der typisierten Tiere.
  • Vermeidung von Risikoanpaarungen für Erbfehler.
  • Verringerung / Begrenzung des Inzuchtgrades in der Herde.
  • Zuchtwertbenchmark innerhalb von am Projekt teilnehmenden Betrieben.

 



Praktischer Ablauf

 


Der Ablauf der Probeneinsendung und Datenrückmeldung ist für den teilnehmenden Betrieb einfach und komfortabel. Das System ist seit 2016 erprobt.

Der Ablauf der Probeneinsendung und Datenrückmeldung ist für den teilnehmenden Betrieb einfach und komfortabel. Das System ist seit 2016 erprobt.

Nach Vertragsabschluss mit seiner Zuchtorganisation erhalten Sie Gewebeohrmarken für den weiblichen Tierbestand (je nach Zuchorganisation werden verschiedene Modelle angeboten). Diese Ohrmarken werden eingezogen und die konservierte Gewebeprobe (Ohrstanze) an das Vertragslabor IFN Schönow GmbH versendet. Dort wird anhand der aus dem Probenmaterial isolierten DNA eine SNP-Genotypisierung durchgeführt. Auf Basis der Laborergebnisse, also der SNP-Genotypen, schätzt das Rechenzentrum Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V. (vit) die genomischen Zuchtwerte für das Tier. Ungefähr zwei Wochen nach dem Einsenden der Gewebeohrmarken erfolgt die Rückmeldung dieser Zuchtwerte an den Landwirt. Alle Ergebnisse seiner Tiere kann der Landwirt über das Herdenmanagementprogramm NETRINDgenom abrufen. Nach der Ersttypisierung werden neu geborene weibliche Kälber laufend weiter genotypisiert.  Dazu wird bei der HIT-Geburtsmeldung die Bestellung eine Gewebeohrmarke für das weibliche Kalb ausgelöst, welche dann nach Erhalt beim Kalb eingezogen werden kann. Auch die Möglichkeit der Bestellung von Ohrmarkenserien besteht, so dass die Gewebeohrmarke bequem zusammen mit der LOM eingezogen werden kann.

 



Was erhalte ich für Zuchtwerte für meine weiblichen Tiere?

 


Für die typisierten weiblichen Tiere erhält der Programmteilnehmer das gesamte deutsche Zuchtwertportfolio bestehend aus 48 Zuchtwerten aus dem Bereich Gesundheit, Leistung und Exterieur. Darüber hinaus Informationen:

  • zu genetischen Besonderheiten des Tieres wie Hornstatus, Rotfaktorträger und Variant Red Carrier (VRC)
  • zum β- und κ-kaseintyp
  • zu den Erbfehlern Brachyspina, Bovine-Leukozyten-Adhäsions-Defizienz (BLAD), Cholesterin-Defizit-Haplotyp (CDH) und weitere mit der Überlebensfähigkeit des Kalbes in Verbindung gebrachte Haplotyp

Die Zuchtwerte werden nach der Untersuchung in die Onlineanwendung NETRINDgenom eingestellt. Dort besteht die Möglichkeit den typisierten Bestand nach eigenen Kriterien zu rangieren und ein Benchmark über alle Projektteilnehmer anzustellen.


Ich möchte teilnehmen, wo erhalte ich Informationen?

 


Informationen zur Teilnahme an einem Herdentypisierungsprogramm  gibt es bei Ihrer lokalen Zuchtorganisation. Dort erhalten Sie auch Informationen zu Teilnahmevoraussetzungen und Kosten des Typisierungsprogramms. Im Folgenden sind nützliche Links zu Anprechpartnern bei unseren Verbänden aufgelistet: